Chronik

130 Jahre Grazer Schubertbund

Zum 130. Mal jährte sich 2018 die Gründung des Grazer Schubertbundes. Ursprünglich als Männerchor zur Pflege der Werke Franz Schuberts gegründet, entwickelte sich die Gemeinschaft zu einem gemischten Chor mit einem Repertoire, das Werke aller Musikstile umfasst. Im Jubiläumskonzert wurde der musikalische Schwerpunkt auf die unsterblichen Schubert-Chöre gelegt. Ergänzt wurde das Programm durch Kunstlieder aus der Klassik und dem 20. Jahrhundert, die sowohl in Chorsätzen als auch solistisch vorgetragen werden.

Es war im Herbst 1888, als sich einige Mitglieder des "Schulvereins für Deutsche", die bei den geselligen Zusammenkünften viel und gerne sangen, zusammenfanden und eine Singgemeinschaft gründeten, der sie den Namen "Grazer Schubertbund" gaben. Als Gründungsmitglieder können Prof. Josef Rammert, Theodor Haller, Oberbaurat Ludwig Neunteufel und die Brüder Anton und Josef Ruderer genannt werden. Die gründende Versammlung konnte erst am 7. Jänner 1889 stattfinden. Die Grazer Zeitungen berichteten eingehend darüber. Zur Zeit der Vereinsgründung hatte der Verein bereits 60 ausübende Mitglieder. Die Leitung des Vereins übernahm Franz Fischereder.
 
Der Gesangverein probte eine Zeitlang in der Burggasse, im Hause des Steiermärkischen Musikvereins, mit dem sich eine enge Zusammenarbeit entwickelte. Später fand der "Schubertbund" in der Schwechater Bierhalle Unterkunft und schließlich im Hotel "Zum wilden Mann", in dem die Brauerei Puntigam einen "Schubertsaal" errichtete. Eine langjährige, offizielle Heimstätte hatte unser Verein von 1986 bis Ende 2004 in der Mesnergasse, ehe der "Schubertbund" ab Jänner 2005 nunmehr einige Meter weiter im Pfarrsaal der Stadtpfarrkirche in der Herrengasse 23 seine Probenarbeit aufnehmen durfte.
 
In der wechselhaften Geschichte des Chores nahm die Pflege der Schubert-Chöre natürlich eine Sonderstellung ein. Von 1888 bis 1990 bestimmten ausschließlich Männerstimmen das Chorgeschehen. Es gab zeitweise, vor allem in den Nachkriegsjahren, rund 100 Männerstimmen mit einem sehr beachtlichen Niveau, für welches einige hervorragende Chorleiter sorgten. Legendär ist der künstlerische Leiter von 1954 bis 1990, Herr Prof. Sepp Tschauner. Er war ein großartiger Schubertinterpret, aber auch die Pflege des Volksliedes lag ihm sehr am Herzen. Ungefähr in dieser Zeit hatte der Chor auch einen zweiten ausgezeichneten Chorleiter, Herrn Dir. Erich Brandl. 
 
Im Sommer 1990 gab es eine große Zäsur in der Schubertbund-Geschichte: Im Wandel der Zeiten erfolgte eine erfolgreiche Umstrukturierung des Männerchores in einen gemischten Chor. Als Architekten dieses neu gegründeten Chores gelten unser Ehrenobmann Willi Schüßler, nach wie vor die Seele des Vereines, sowie Vijay Upadhyaya, der diesen neuen Klangkörper als junger, dynamischer künstlerischer Leiter (aus Indien stammend) binnen kurzer Zeit nach seinen Vorstellungen formte. Er wirkte bis Anfang Februar 1996 sehr erfolgreich in unserer Chorgemeinschaft, ehe ihn höhere Weihen musikalisch und künstlerisch nach Wien führten.
 
Die Nachfolge von Vijay Upadhyaya traten mit großem Engagement und viel Umsicht Frau Mag. Helga Tschiggerl (Februar 1996 bis Dezember 2001) sowie Frau Mag. EIfriede Moschitz (Jänner 2002 bis Dezember 2003) an.

Seit Jänner 2004 liegt die künstlerische Leitung nunmehr in den Händen von Jörg Zazworka. Mit seinen 38 Jahren ist er ebenfalls ein noch junger, überaus kompetenter und sehr musikalischer Dirigent. Daneben leitet er neben seiner Tätigkeit als Organist auch den Kirchenchor der Münzgraben-Pfarre.
 
Seit Jänner 1990 bekleidet Helmut Fleck mit unermüdlichem Einsatz und ungeminderter Begeisterung die Obmann-Funktion (Chormitglied seit Herbst 1964).
 
Dem Chor gehören derzeit neben dem Chorleiter rund 40 überaus engagierte Damen und Herren an.
 
Die Pflege der Schubert-Chöre steht nach wie vor im Mittelpunkt. Daneben spannt sich der Literaturbogen von Messen und geistlichen Chören über klassische und romantische Lieder, Opern-und Operetten-Chöre, Musical-und Filmmelodien bis hin zu Spirituals, Gospels und Volksliedern.
 
Konzertreisen gehören zur Tradition unserer Chorgemeinschaft: So gab es erfolgreiche Auslandskonzerte in den USA (New York, San Francisco und Chicago), in Italien (Rom und Meran), in Szombately, Königgrätz, Lissabon und Hamburg. Im Inland gastierte der "Schubertbund" u.a. in Wien, Wolfsberg, Bad Ischl, Seckau, Steyr und zuletzt Ende Februar 2009 in der Römerhöhle Aflenz bei Wagna.

+ EHRENOBMANN WILLI SCHÜSSLER

Ein ganz Großer des Grazer Schubertbundes lebt nicht mehr: Kurz vor Vollendung seines 96. Lebensjahres ist unser allseits überaus beliebter und geschätzter Ehrenobmann, Herr WILLI SCHÜSSLER, am Sonntag, dem 23. August 2009, verstorben.

Geboren wurde er am 8. September 1913 in Hösbach/Unterfranken, Deutschland. Der Hochzeit mit seiner Frau HEDI im Jahre 1942 entstammen die beiden Töchter NORLI, unsere liebe Sangesschwester seit vielen Jahren, sowie SISSI. Leider verstarb seine von ihm sehr geliebte Gattin bereits vor einigen Jahren. Seinen Fähigkeiten und seinem Wesen entsprechend stieg er im Berufsleben bis zum Prokuristen einer renommierten Handelsfirma auf.

Seit März 1963 war der Verstorbene ein überaus verdientes Mitglied des Grazer Schubertbundes stimmlich gehörte er dem 2. Bass an. WILLI bekleidete im Laufe seines Vereinslebens mehrere Funktionen, so war er Sangrat, Erster Schriftführer, Organisationsleiter, Obmann-Stellvertreter und einige Jahre auch Obmann, wobei er stets mit großem Engagement, viel Umsicht und notwendiger Autorität seine Agenden ausfüllte. Ganz in seinem Element war er auch als Reiseleiter, wobei uns Älteren die einwöchige Sängerreise in seine deutsche Heimat im Jahre 1966 in bester Erinnerung geblieben ist. Sein letztes großes Werk war die notwendig gewordene Umstrukturierung des ehemaligen Männer-Chores (Überalterung, vermehrte Todesfälle) in einen gemischten Chor im Sommer 1990 – gemeinsam mit dem damaligen, neuen Chorleiter VIJAY UPHADHYAYA, der den Chor sodann zu neuer künstlerischer Blüte führte. Nach dieser geglückten Umstrukturierung stand unser Ehrenobmann nach wie vor mit Rat und Tat zur Verfügung. Er verband hohe menschliche Qualitäten wie Nächstenliebe, Treue, Güte, Ethos, Gläubigkeit, Sensibilität, Idealismus, Humor, Verantwortungsgefühl und deutsche Gründlichkeit in optimaler Weise mit Führungsstärke, Initiative, Organisationstalent und vielen Ideen. Es ist daher selbstverständlich, dass er jeweils schon weit der vorgesehenen Zeit mit Ehrungen wie der Silbernen und Goldenen Schubert-Nadel ausgezeichnet wurde. Seine großen Verdienste um unsere Chorgemeinschaft waren für die Ernennung zum EHRENMITGLIED am 13. Dezember 1987 sowie zum EHRENOBMANN am 8. September 2003 ausschlaggebend. Auch vom Steirischen Sängerbund erhielt WILLI das Bundesabzeichen mit silbernem und goldenem Lorbeerkranz sowie das Goldene Ehrenzeichen. Lieber Ehrenobmann, Du gehst als ein ganz Großer in die Geschichtsbücher des Grazer Schubertbundes ein – wir verneigen uns mit großer Dankbarkeit und Demut vor Dir! Wir danken Dir nochmals für Deine jahrzehntelange Vorbildwirkung – für mich persönlich warst Du stets ein lieber, väterlicher Freund und Wegbereiter - auch dafür vielen Dank. Möge Dir der Herrgott eine Wohnung gemeinsam mit Deiner Dir vorausgegangenen Gattin HEDI in seinem Reich sowie die himmlische Fülle schenken und mögest Du nunmehr dem himmlischen Chor angehören!

Unsere herzliche Anteilnahme gilt vor allem unserer lieben Sangesschwester NORLI, die stets für ihn sorgte, vor allem nachdem er seine liebe Gattin durch Tod verloren hatte, sowie ihrer jüngeren Schwester SISSI mit deren Familie.

 

Auslands-Konzertreisen seit 1995:

Eine besondere Freude für alle Chormitglieder sind die gemeinsamen Reisen!

 

1995: USA-Reise mit Auftritten in New York, San Francisco und Chicago

1998: Rom-Reise mit einem Adventkonzert in der Kirche "Santa Maria sopra Minerva"

2000: Südtirol-Reise mit einem Konzert in der Meraner Kurhalle

2004: Szombathely/Ungarn mit einem Adventkonzert in einer modernen Kirche

2005: Tschechien-Reise mit einem Konzert in Königgrätz

2006: Lissabon-Reise mit einem Konzert im Kloster „Convento dos Cardaes“

2008: Hamburg-Reise mit einem Kirchenkonzert in der Sankt Sophien-Kirche